Interview mit Ebbe Altberg

Heute ist Video- und Interview-Tag bei mir im Blog. In meinem zweiten Beitrag gibt es ein Interview mit Ebbe Altberg, das von Wagner James Au geführt wurde. Es fand schon vor zwei Wochen während der Game Developers Conference in San Francisco statt.

Durchgeführt wurde das Interview allerdings im Hauptquartier von Linden Lab in der Battery Street. Wagner brauchte scheinbar einige Zeit, um das Video fertigzustellen. Denn veröffentlichen wollte er es schon letzte Woche.

Bei diesem Interview zeigt Wagner wieder mal seine Stärke. Er wird ja von anderen Bloggern oft als unseriöser Journalist dargestellt, der mit sensationshaschenden Überschriften seine Klickrate erhöhen will. Aber ich sehe das nicht so. Deshalb beziehe ich mich in meinem Blog auch oft auf Beiträge von Wagner. Dieses Interview ist eines der besten, das ich mit Ebbe Altberg bisher gesehen habe.

Aussagen vom Interview mit Ebbe Altberg

  • Second Life verzeichnete im Jahr 2018 sowohl ein Wachstum beim Umsatz als auch bei den Premium-Abonnenten.
  • Altberg räumt ein, dass Land in Second Life immer noch zu teuer ist und er sagt, dass neue Preisoptionen und Rabatte in Kürze folgen werden. Dazu werden die Einnahmequellen weiter umgeschichtet zwischen Premium-Gebühren, Marketplace, Linden Dollar-Ankauf und -Verkauf, bezahlter Werbung und eben den Landgebühren.
  • Die Rabatte für Regionen und Land sollen schon „in den nächsten Monaten“ kommen.
  • Ebbe und Wagner diskutieren darüber, wie viele Inhalte in SL als „Adult“ eingestuft sind und aus welchen Gründen jemand sein SL-Land unter Adult einstuft. Ebbe ist der Ansicht, dass es nicht nur gemacht wird, um dort Sex durchführen zu können.(*Aha!*)
  • Diskussion über die fünfjährige Amtszeit von Ebbe als Geschäftsführer bei Linden Lab und die Wut der Nutzer, denen er ausgesetzt war, als er bei Linden Lab begonnen hat. „Es gab einige Richtlinien, die keinen Sinn machten und die wir korrigiert haben.“
  • Viele neue Funktionen für Second Life werden bereits „in wenigen Wochen“ veröffentlicht.
  • Linden Lab ist bemüht, die Anzahl neuer Benutzer zu steigern – einschließlich der Einführung von Spiel-ähnlichen Mechanismen wie einem Quest-System und der Ausrichtung auf Mainstream-Benutzer im Gegensatz zum Nischenpublikum.
  • Diskussion zur Abnahme der monatlichen aktiven Second Life Nutzer im Laufe der Jahre von 1 Million auf 800.000. Hier will Linden Lab wieder ein Wachstum erreichen, indem man zunächst die Anzahl gleichzeitig eingeloggter Nutzer und die Anzahl wiederkehrender neuer Nutzer erhöhen will.
Ebbe redet viel mit den Händen
Quelle: Wagner James Au / YouTube
  • Die Performance von Second Life soll verbessert werden, indem es vollständig in die Amazon-Cloud umzieht. Dies soll innerhalb der nächsten 12 Monate geschehen. Also bis Ende des ersten Quartals 2020.
  • Die Performance von Second Life zu verbessern, wenn benutzergenerierte Inhalte oft so schlecht optimiert sind, dass sie wie ein DDOS-Angriff wirken, ist eine Herausforderung. Ebbe sagt, es sei letztlich die Sache der Nutzer und nicht der Firma, ob sie rechenintensive Inhalte verwenden. („Die Nutzer werden tun, was Nutzer tun werden.“)
  • Auch Ebbe spricht über die Entwicklung der mobilen App für Second Life und der Möglichkeit, eine Streaming-Option im Stil von OnLive anzubieten. Linden Lab überlegt dazu immer noch, ob sie Streaming als Premiumdienst anbieten werden. Die App selbst wird kein Viewer sein, sondern eine sogenannte „Kompagnon-App“.
  • Zu den geringen Nutzerzahlen seit dem Beta-Start von Sansar sagt Ebbe das Folgende. „Ja, die Nutzerzahlen sind immer noch gering und wir geben viel Geld dafür aus, neue Nutzer anzuwerben. Wir hätten Sansar auch jahrelang unter Ausschluss der Öffentlichkeit entwickeln können…Ich bevorzuge es, früher damit raus zu gehen, so dass die Nutzer uns Rückmeldungen geben können, was nicht funktioniert und was sie brauchen.“
  • Linden Lab ist bemüht, Sansar weiter zu optimieren und die langen Downloadzeiten weiter zu reduzieren.
  • Sansar ist statistisch gesehen ein PC-Produkt – etwa 75% der Benutzer greifen über einen PC darauf zu, nur 25% über VR. Sansar wurde als VR-zentriertes Produkt eingeführt, um den Virtual Reality Hype zum Zeitpunkt des Starts zu nutzen.
  • Warum werden für Second Life und Sansar selbst entwickelte Technologien und Engines verwendet? Ebbe: „Zur Unterstützung einer vollständigen Lieferkettenwirtschaft und zur Unterstützung der Abwärtskompatibilität von vor Jahren erstellten Inhalten. Das erfordert ein eigenes, maßgeschneidertes Ding. Mit einer Unity Engine geht so etwas nicht.“
  • Warum gibt es keine Übertragbarkeit von Inhalten aus Second Life nach Sansar, so wie es in einer frühen Phase der Entwicklung angekündigt war? Ebbe sagt, dass es diese Option mit Mesh doch schon gibt.
Quelle: Wagner James Au / YouTube
  • Ebbe erklärt, warum man in Sansar nicht auch den Linden Dollar als Währung verwendet hat, so wie es ursprünglich vorgesehen war. Die Erklärung ist ziemlich wirr. Zusammengefasst wollte Linden Lab die Kontrolle über die Stabilität nicht verlieren, weil es unvorhersehbare Wechselwirkungen hätte geben können. (Wer kauft auf welcher Plattform wie viele L$ und wo werden diese ausgegeben bzw. fließen sie wieder aus dem System heraus?). Aber am Schluss sagt Ebbe, dass man vielleicht den Umtausch von Sansar Dollar in Linden Dollar und anders herum in Zukunft ermöglichen wird.
  • Es folgt eine Diskussion über die Unterschiede zwischen Second Life und Sansar. Da dies alles schon einmal gesagt wurde, gibt es keine Zusammenfassung.
  • Warum verwendet Linden Lab die Gewinne aus Second Life für die Entwicklung von Sansar, anstatt mit diesem Geld Second Life zu verbessern? Ebbes Antwort: „Wir haben mehr Leute, die an Second Life arbeiten als für Sansar. Etwa 130 Mitarbeiter arbeiten für Second Life und 70 für Sansar.“
  • Es gibt keine Pläne, SL-Nutzer nach Sansar zu „zwingen“. Ebbe: „Ich habe zwei wunderbare Produkte, Second Life und Sansar. Ich liebe beide aus verschiedenen Gründen, wir investieren in beide und ich würde nichts mehr lieben als dass beide für eine lange Zeit extrem erfolgreich werden.“

Linden Lab CEO Ebbe Altberg on the future of Second Life & Sansar (March 2019)